Galvanische Aluminiumabscheidung
aus aprotischen Elektrolyten
› Die galvanische Aluminiumabscheidung
geht auf das Jahr 1954
zurück, als der spätere Chemie-Nobelpreisträger Karl Ziegler und
Herbert Lehmkuhl ihr Patent zur
elektrolytischen Abscheidung
von Aluminium anmelden.
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Metallografische Darstellung einer
galvanisch abgeschiedenen Aluminium-
schicht
mit Nickel als Haftgrund. |
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1973 etabliert die Siemens AG dieses
Verfahren unter dem Namen SIGAL.
Anfang der 90er Jahre verschwindet
das Verfahren vom Markt. 2002 lebt
es mit der Gründung der ALUMINAL
Oberflächen-technik in der Friedhelm
Loh Group wieder auf.
Wegen seines unedlen Charakters
lässt sich Aluminium nicht aus wässrigen
Elektrolyten abscheiden. Von
allen untersuchten Elektrolyten haben
nur wenige das Potential zur industriellen
Nutzung. Geeignete Elektrolyte
basieren auf metallorganischen
Komplexen des Typs [1MX*2AlR3],
die in aromatischen Kohlenwasserstoffen
gelöst sind. Galvano-Aluminium
hat eine feinkristalline Struktur.
Die abgeschiedenen Schichten sind
weich und sehr duktil, die Härte
beträgt ca. 25 HV. Schichten, die eine
Schichtdicke von etwa 8 μm haben,
sind porenfrei. Die mittlere Schichtdicke
für hohen Korrosionsschutz liegt
bei 12 μm. Eine besonders gute Haftung
wird durch einen Nickel-Flash
als Zwischenschicht sichergestellt.
Die wichtigsten Eigenschaften der
Al-
Schicht:
- hoher Korrosionsschutz
- keine wasserstoffinduzierte Versprödung
- hohe Temperaturbeständigkeit bis
400°C
- gut umformbar
- lackierbar, klebbar, umspritzbar
- schweißbar
- biodiesel-beständig
- gute elektrische und thermische Leitfähigkeit
Das Verfahren besteht aus Vorbehandlung,
Al-Beschichtung und
Nachbehandlung. Das Vorvernickeln
ist als Option in die Vorbehandlung
integriert.
Die wesentlichen Prozessparameter
des Aluminierens:
| Elektrolyttemperatur |
95°C |
| kathodische Stromdichte |
1,0 A/dm2 |
| Abscheiderate |
12 μm Al/h
bei 1 A/dm2 |
| Stromausbeute |
100 % |
| Die Streufähigkeit der aprotischen
Al-Elektrolyte ist gut. |
Um galvanische Aluminiumschichten
hoher Qualität abzuscheiden,
werden nicht nur besondere Anforderungen
an die Anlagentechnik,
sondern auch an die Sicherheitstechnik
gestellt. Aluminiumalkyle
reagieren sehr heftig mit Sauerstoff
und Wasser. Die Bauteile werden
daher trocken, oder mit einem inerten
Lösungsmittel benetzt, in die
unter Schutzgas stehenden Elektrolysezellen
eingebracht.
Mit dem Produktionsbeginn in der
Großanlage der ALUMINAL Oberflächentechnik Ende 2005 sind die
Voraussetzungen für die erfolgreiche
Wiedereinführung von Galvano-Aluminium
als Funktionsschicht in der
Oberflächentechnologie geschaffen.
Aufgrund der mannigfaltigen Eigenschaften,
gepaart mit hoher Korrosionsbeständigkeit,
hat Galvano-
Aluminium gute Chancen, neue
Marktsegmente an sich zu binden. ‹
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bertram Reinhold,
AUDI AG Ingolstadt,
Auszug aus Galvanotechnik
11/2008 |